Suchtprävention | Tsunami | Gewässeruntersuchung 


Suchtpräventionskonzept
für die Zeppelinschule Plettenberg

nach Vorgabe des Kommunalen Suchtpräventionskonzeptes für die Stadt Iserlohn

Heute werden erhöhte Anforderungen an die allgemeine Lebenskompetenz von SchülerInnen gestellt. Neben theoretischen Kenntnissen, die in der Schule vermittelt werden, geht es heute um persönliche Eigenschaften, die im Hinblick auf eine zukünftige Berufs- und Lebensplanung eine entscheidende Rolle spielen. Diese persönlichen Eigenschaften, auch als sogenannte Schlüsselqualifikationen bezeichnet, werden nicht als Unterrichtsfach in der Schule vermittelt. Sie entwickeln sich in der ständigen Auseinandersetzung mit der Umwelt und beinhalten vor allem soziale und kommunikative Fähigkeiten. Darüber hinaus zählen dazu:

  • der Umgang mit Konflikten
  • die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • das Erkennen von eigenen Stärken und Schwächen
  • die Fähigkeit zur Selbstdarstellung und u. a. auch das Zusammenarbeiten im Team
  • das Führen und Leiten von Arbeitsgruppen

Der Erwerb dieser Schlüsselqualifikationen dient somit der persönlichen Orientierung und stellt für das Erreichen persönlicher Ziele eine wichtige Voraussetzung dar. Lernen für das Leben - Lernen für sich selbst: Es geht um das Kennenlernen und um die Stärkung der eigenen Person/Persönlichkeit sowie um die Grundzüge sozialen Lernens und um die Verbesserung der Kommunikation mit anderen.
Perspektivisch scheint eine Beschäftigung mit diesen Fragestellungen für SchülerInnen zunehmend von Bedeutung zu werden. Da sich Schule nur bedingt mit diesen Fragestellungen auseinandersetzt, könnte sich die Beschäftigung mit Berufs- und Lebensplanungsfragen bei SchülerInnen als sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Angeboten des Suchtpräventionskonzeptes zukünftig entwickeln. Sucht hat immer eine Geschichte... und in dieser Geschichte spielt auch der Aufbau einer instabilen Berufs- und Lebensplanung stets eine entscheidende Rolle . So verstanden kommt suchtpräventives Handeln nicht an der Entwicklung und dem Aufbau eigener Strategien zur Förderung einer eigenständigen Berufs- und Lebensplanung vorbei.

 

 

Suchtprävention: Differenzierte Hilfsangebote und repressive Ansätze in der Suchthilfe heute

In der Fachdiskussion über die Entstehungsbedingungen von Sucht und süchtigem Verhalten hat sich der Ansatz eines multifaktoriellen Bedingungsgefüges durchgesetzt. Dies bedeutet, dass man heute nicht nur eine Ursache (z.B. die Einnahme eines Suchtmittels) bei der Ausprägung von Sucht und süchtigem Verhalten verantwortlich machen kann. Vielmehr wird in der Fachdiskussion von einer Trias ausgegangen, die sowohl die Person, das soziale Umfeld als auch die spezifische Substanz, die missbräuchlich konsumiert wird, für die Entstehung einer Suchtentwicklung mit berücksichtigt. Dies bedeutet aber auch, dass entsprechende Hilfsangebote sich auch an dieser Trias orientieren müssen, wenn sie erfolgreich wirken wollen.

Suchtpräventive Ansätze, so wie sie in diesem Konzept beschrieben werden, stellen dabei nur e i n e n Ansatz heutiger suchtpolitischer Strategien dar. Sie erheben dabei nicht den Anspruch, alleine und umfassend das Problemfeld Sucht bearbeiten zu können. Daneben kommt der Repression (Strafverfolgung, Polizei und Justiz) eine andere Aufgabe zu, wenn es um die Eindämmung des Stoffnachschubes an die Endverbraucher geht (Einfuhr,Handel) oder aber um die kriminelle Tätigkeit von professionellen Händlerstrukturen (Dealer), die es zu zerschlagen und dauerhaft zu überwachen gilt. Der Medizin und den Ärzten kommt die Aufgabe zu , spezifische Hilfsangebote für die Betroffenen in Form von Fachkliniken, stationären Therapieangeboten, Substitutionstherapien und Entgiftungsmöglichkeiten vorzuhalten, sie weiter auszubauen und zu entwickeln.
 

Zusammengefasst lässt sich das Suchtpräventionskonzept in drei verschiedene Schwerpunktthemen aufteilen. Die dazu notwendigen einzelnen Abschnitte (Module) werden im späteren Teil dieses Konzeptes noch ausführlicher vorgestellt:

  1. Schwerpunktthema : „Förderung des Nichtrauchens" Beteiligte Institutionen: BARMER Ersatzkasse, Gesundheitsamt des M.K., Jugendamt und DROBS Iserlohn
  2. Schwerpunktthema: „Multiplikatorenschulungen des Lehrerkollegiums zu Rechtsfragen und zur Suchtprävention" Beteiligte Institutionen: K Vorbeugung M.K., DROBS Iserlohn
  3. Schwerpunktthema: „ Legaler- und illegaler Substanzmissbrauch vor dem Hintergrund süchtigen Verhaltens"
    Beteiligte Institutionen: SIRIUS e.V., Selbsthilfegruppen, Jugendamt, DROBS Iserlohn.

 

 

Struktur und Organisation des Suchtpräventionskonzepts

Die Struktur und die Organisation des Suchtpräventionskonzept vollzieht sich in Form von verschiedenen Moduleinheiten.
Die inhaltliche Zielsetzung einer Suchtprävention orientiert sich an den grundlegenden Anforderungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wenn es um deren Prozess beim Hineinwachsen in die vor ihnen liegende Erwachsenenwelt geht.
Dabei erweisen sich pauschale und moralisch gefärbte Appelle nach einer drogenfreien Gesellschaft als Illusion, da die Konfrontation junger Menschen mit einer „legalen Drogenkultur" in unserer Gesellschaft zunehmende Realität geworden ist. In der Jugend(risiko)forschung wird daher unumstritten der bisherige Komplex zentraler Entwicklungsaufgaben mittlerweile um einen neuen Aspekt erweitert, der als Risikoverhalten oder Entwicklung einer Risikokompetenz zu verstehen ist.

An der kontinuierlichen Förderung und Entwicklung dieses zentralen Elements jugendlicher Entwicklungsaufgaben, will die Suchtprävention mitarbeiten. Dabei ist diesem Prozess implizit, dass es dabei grundsätzlich um die Verhinderung eines längerfristigen Missbrauchsverhaltens bezüglich des Stoffkonsums legaler bzw. illegaler Substanzen geht. Bei der weiteren Umsetzung in die Praxis könnten weitere Teilaspekte als suchtpräventive Ziele wie folgt beschrieben werden:

  • Zeitliche Verzögerung, bzw. Aufschub des Probier- und Konsumbeginns, sowie möglicher Verzicht auf den Gebrauch von legalen und illegalen Substanzen durch geeignete Programme bzw. Projekte (z.B. sog. „Nichtraucherprogramme", bzw. „Safer-Drug-use Programms" etc.)
  • Beschränkung von substanzbezogenem Gebrauch und Missbrauch auf einen möglichst kurzen, experimentellen zeitlichen Probierkonsum bei gleichzeitiger Problematisierung dieses Konsumverhaltens (individuelle Schädigungen, Missbrauchspotential, Rechts- und Strafaspekte, Entwicklung von Alternativen zum Stoffkonsum, Gespräche mit Betroffenen, Einbeziehung von Selbsthilfegruppen und Ex - Usern).
  • Verhinderung von Strukturen zur Förderung von Abhängigkeitsentwicklungen bei dauerhaftem Missbrauch (Lebenskompetenzprogramme)
  • Bestimmungsgemäßer Gebrauch von Tabletten und Arzneimitteln, Entwicklung von Alternativen.

 

Unterschiedliche Module des Suchtpräventionskonzepts :

  • Modul 1:
    Thema: Vorbereitung und Einführung in das Nichtraucherprogramm
    Anbieter: Medizinischer Dienst des Kreisgesundheitsamtes
     
  • Modul 2:
    Thema: Alltagsdrogen, Beispiel - Nikotin, Nichtraucherprogramm für SchülerInnen
    Anbieter: externe Referentenlnnen der BARMER Ersatzkasse
     
  • Modul 3:
    Thema: Multiplikatorenschulung für LehrerInnen Anbieter: Kommissariat Vorbeugung
     
  • Modul 4: Thema : Multiplikatorenschulung für LehrerInnen Anbieter: Anonyme DROBS e.V. Iserlohn
     
  • Modul 5:
    Thema: Rechtsfragen und Einstieg in das Thema Sucht und Drogen für SchülerInnen
    Anbieter: Kommissariat Vorbeugung
     
  • Modul 6:
    Thema: Alltagsdrogen, Beispiel - Alkohol, für SchülerInnen Anbieter: Selbsthilfegruppen von ehemals Alkohol abhängigen Betroffenen stellen sich in der Schule den SchülerInnen im Gespräch
     
  • Modul 7:
    Thema: Illegaler Substanzgebrauch
    Anbieter: Ex-User der Fachklinik SIRIUS e.V., Altena und DROBS Iserlohn stellen sich SchülerInnen im Gespräch
     
  • Modul 8:
    Thema: Erlebnisorientierte Projekte und Aktionen für SchülerInnen Anbieter: Jugendamt, Kommissariat Vorbeugung und DROBS Iserlohn

Im Rahmen der suchtpräventiven Arbeit der genannten Kooperationspartner werden in Zusammenarbeit mit weiterführenden Schulen SchülerInnen während ihrer Schulzeit mit den unterschiedlichsten Aspekten suchtfördernden Verhaltens vertraut gemacht, mit denen sie sich in sechs Schuljahren, wie nachfolgend aufgeführt, auseinandersetzen
müssen.

 

 

Modul 1: Vorbereitung und Einführung in das Nichtraucherprogramm
Klasse 5 – 2.Hj.

Der jugendärztliche Dienst des Gesundheitsamtes sieht sich als wichtigen Baustein in der Vernetzungsarbeit mit Jugendämtern, Schulen, Kindergärten und Trägern der Jugendhilfe und hat zum Ziel, gemeinsam mit oben genannten Institutionen die Verantwortung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu tragen.

Seit Ende des Jahres 2002 bringt sich der schul- und jugendärztliche Dienst des Gesundheitsamtes mit in den Präventionsbereich „Rauchen" ein.

Eine Schulärztin des Gesundheitsamtes hält in den Klassen der Schulstufe 5 für die Schülerinnen und Schüler jeweils eine Unterrichtsstunde zur Gesundheitsprävention ab, derzeit über das Thema „Gesundheitsgefährdung durch Rauchen".

Es werden Rollenvorbilder, Imitationsverhalten, verschiedene Phasen des Rauchens (Eingangsphase, Experimentierstadium, Gewöhnungsphase) sowie die psychische und körperliche Abhängigkeit anschaulich dargestellt und besprochen.

Wissenswertes über den menschlichen Körper (Korpusmodell), über die Droge Nikotin sowie über die Schadstoffbelastung durch die Zigarette wird vermittelt; Passivrauchen sowie unmittelbare Schäden für den Raucher und Tabak bedingte Erkrankungen werden besprochen.

Auf die positiven Auswirkungen des Nichtrauchens wird ausführlich eingegangen wie auch auf die Anwendung von Rauch-Strategien (was gewinnt man?).

 

 

Modul 2: Alltagsdrogen, Beispiel – Nikotin - Klasse 6 - 1.Hj.

Laut Repräsentativerhebung zur Drogenaffinität der 12 - bis 25 - Jährigen der Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung (BzgA 2001) sind Alkohol und Nikotin die psychoaktiven Substanzen, die von Jugendlichen am häufigsten konsumiert werden. Gerade legale Suchtmittel, wie Nikotin und Alkohol, verschaffen den jugendlichen Konsumenten/Konsumentinnen zunächst einmal einen Statuszuwachs. Darüber hinaus scheint es auch gesellschaftlich anerkannt, dass Jugendliche lernen sollen, mit diesen Stoffen umzugehen und dass der gelegentliche „Rausch" als normal angesehen wird. Auf der Verhaltensebene erwecken Jugendliche damit den Anschein, sie könnten dadurch erwachsenes Verhalten demonstrieren. Aus der aktuellen Jugendforschung ist bekannt, dass gerade solcherlei Risikoverhalten bei Jugendlichen schwerwiegende körperliche und seelische Folgewirkungen haben kann und der „Einstieg" über die sogenannten Alltagsdrogen in eine spätere Abhängigkeitsentwicklung münden kann.
Um einen möglichst effektiven Ablauf des Gesamtprogramms „Förderung des Nichtrauchens an Schulen“ zu gewährleisten, sind im Vorfeld mit der entsprechenden Schule folgende Absprachen zu regeln:

  • In Vorbereitung auf die drei Unterrichtsvormittage ist ein Vorgespräch mit den Lehrern und den jeweiligen Referenten sinnvoll.
  • Im Vorfeld sollte ebenfalls ein intensiver Austausch zwischen den beteiligten Lehrern, den Schülern und ihren Eltern über Art und Umfang des sogenannten Nichtraucherprogramms stattfinden.
  • Fragen der Materialbeschaffung müssen zwischen den Beteiligten ebenfalls im Vorfeld geklärt werden (Zeitungen, Fotokopien, Pappen etc.).
  • Während der Arbeitsphase werden mindestens 2 Räume benötigt.
  • Es ist notwendig, dass mindestens ein Lehrer das Projekt aktiv begleitet.
  • Der Zeitpunkt des Gesamtprojektes sollte so gewählt werden, dass er nicht zu nah an den Sommerferien liegt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Fortführung des Themas durch die entsprechenden Lehrer gesichert ist.
  • Das Alter der SchülerInnen sollte zwischen 10 und 12 Jahren liegen. Dies entsprichtdem 1. Halbjahr des 6. Schuljahres.
  • Wünschenswert für den Beginn des Projektes wäre die 2., 3. und 4. Schulstunde. Dabei bleibt es offen, wie die Pausen zwischen den Unterrichtsstunden genutzt werden.
  • Abschlussgespräch und Reflektionsmöglichkeit zwischen den Seminarleitern und den Lehrern am dritten Tag des Projektes.

 

Ein Risiko einzugehen, mit verschiedenen neuen Verhaltensweisen zu experimentieren und eigene bzw. fremde Grenzen auszuprobieren gilt als normal für diese Entwicklungsphase. Dabei sind auch naturgemäß gesundheitsgefährdende oder abweichende Verhaltensweisen in die jugendspezifische Lebensweise mit einbezogen. Diese Verhaltensabweichungen erfüllen aber auch gleichzeitig wichtige Funktionen bei der Bewältigung von Alltagsproblemen und auch bei der Lösung von Entwicklungsaufgaben (Leppin/Hurrelmann/PETERMANN, 2000). Die Kontrolle über sich zu bewahren, das Risiko des Stoffkonsums zu begrenzen, die Konsumzeiträume noch zu überschauen, genügend Informationen und Wissen über verschiedenste Stoffe und deren Wirkungen zu besitzen, im entscheidenden Moment die innere Freiheit des NEIN-Sagens zu kennen, all dies sind u.a. Inhalte des Programms zur Auseinandersetzung mit Alltagsdrogen am Beispiel NIKOTIN.

In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem KV Vorbeugung, der Anonymen Drobs e.V. und der BARMER Ersatzkasse wird in 3 x 3 Stunden versucht, die Förderung des Nichtrauchens durch verschiedene Angebote und Methoden zur Förderung der sozialen Kompetenz zu unterstützen und auszubauen. Dabei werden drei Stufen der Hilfe und Unterstützung angeboten, die sich in der Jugend- und Therapieforschung als wichtig herauskristallisiert haben:

  • Für die Strategie zur Verhinderung des Aufbaus stoffabhängigen Verhaltens erscheint es zunehmend wichtiger zu werden, einen möglichen Suchtmittelgebrauch zeitlich so weit wie möglich herauszuschieben, bzw., wenn möglich, ihn sogar ganz zu verhindern. Neue Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass der regelmäßige Konsum psychoaktiver Substanzen das biochemische Gleichgewicht im Körper nachhaltig schädigt, bzw. ein sogenannter ausgeprägter Drogenmissbrauch im jugendlichen Alter das Sterblichkeitsrisiko im frühen Erwachsenenalter um das Fünffache erhöht.
     
  • Falls doch Suchtmittel konsumiert werden, gilt es den Schaden zu begrenzen (Harm reduction), eine weitergehende Suchtgefährdung zu erkennen und Abhängigkeit zu verhindern.
     
  • Bei einer bestehenden Abhängigkeit sollte es gerade bei Jugendlichen das Ziel sein, den Weg in die weiteren Phasen der Sucht zu verlangsamen, bzw. wenn möglich zu stoppen und dies so frühzeitig zu tun, damit eine weitere Verelendung verhindert wird.

 

Das Schulprojekt „Förderung des Nichtrauchens“ ist eine ganzheitliche, schülerorientierte präventive Gesundheitserziehung, die schon bereits in der 5./6. Jahrgangsstufe ansetzt. Es werden dabei folgende Ziel-/Inhaltsbereiche bearbeitet:

  • Schulung der individuellen Reflexionsfähigkeit bezüglich des eigenen Suchtverhaltens, Auseinandersetzung mit dem Thema „Sucht"
  • Auseinandersetzung mit dem Thema „Rauchen", eigene Betroffenheit entwickeln, Gruppendruck aushalten, Konfliktlösungsmöglichkeiten erarbeiten
  • Trainieren von Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit, Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Stärken, Auseinandersetzung mit Selbstkonzepten
  • Erweiterung der sozialen Kompetenzen als mittelfristiges Ziel am Beispiel des verantwortungsvollen Umgangs mit Suchtmitteln - Ziel: Suchtfreies Leben.

 

 

Modul 3: Multiplikatorenschulung aus Sicht des Kommissariats Vorbeugung

Um der Themenvielfalt des Stoffkundebreiches vor dem Hintergrund der wirkenden Suchtfaktoren auch inhaltlich mit entsprechend hoher qualitativer Kompetenz begegnen zu können , sind vorbereitend Multiplikatorenschulungen mit den entsprechenden Fachlehrerlnnen unbedingt erforderlich, damit dieses Wissen auch angemessen transportiert wird. Im Rahmen dieser Schulungen werden neueste Erfahrungen und entsprechendes Fachwissen an die betreffenden LehrerInnen vermittelt, damit sie u.a.auch situationsangemessen im Falle von Rauschmittelkonsum an der Schule reagieren können.

Dabei wird folgenden Themen eine besondere Bedeutung beigemessen:

  • Möglichkeiten suchtpräventiver Arbeit an und in der Schule
  • Entwicklung von Handlungsoptionen bei Drogenkonsum und -Handel an der Schule
  • Mögliche Erkennungsmerkmale bei Konsumenten und Dealern
  • Stoffkunde (Originalstoffe und Konsumartikel)
  • Gesetzeslage
  • Statistik

Der zeitliche Rahmen solcher Schulungen liegt bei ca. 2 - 3 Stunden.

 

 

Modul 4: Multiplikatorenschulung aus Sicht der Anonymen DROBS e.V. Iserlohn

Aufbauend auf der Multiplikatorenschulung des Kommissariates Vorbeugung bezüglich des Stoffkunde- und Rechtsbereiches, geht es jetzt um eine weitere Schulungseinheit, die sich mit methodisch - didaktischen Fragestellungen auseinandersetzt . Das Angebot der Anonymen DROBS e.V. Iserlohn richtet sich sowohl an einzelne LehrerInnen als auch an ganze Kollegien, bzw. Jahrgangsstufenkonferenzen, Lehrerarbeitskreise etc.

  • Wie kann der komplexe suchtpräventive Stoffinhalt, jahrgangsstufenspezifisch, ggfs. auch geschlechtsspezifisch vom Lehrpersonal unter Berücksichtigung neuester konzeptioneller Überlegungen vermittelt werden?
  • Welche methodisch-didaktischen Probleme erwarten den/die LehrerIn, wenn es um die Vermittlung von Unterrichtskonzepten zu diesen Themen geht?
  • Weiche Unterrichtskonzepte gibt es bereits zum Thema: Suchtprävention ?
  • Was bedeuten sog."Life-Skill-Programms" und welche gibt es ?
  • Wie verbinde ich als LehrerIn kognitive Lerninhalte mit sog. „erlebnisorientierten" Ansätzen der Suchtprävention ?
  • Welche persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten sind notwendig, um mich auf solch einen Arbeitsansatz mit meinen SchülerInnen einzulassen.
  • Wie lässt sich fächerübergreifender Unterricht zum Thema Sucht und süchtiges Verhalten an unserer Schule organisieren ?

Diese und ähnliche Fragestellungen werden in Absprache mit der Schulleitung entweder im Gesamtkollegium (z.B. in Form einer pädagogischen Konferenz) und/oder aber in kleineren Arbeitseinheiten (Lehrer-AG, Projektgruppen, etc.) vermittelt. Dabei werden gleichzeitig auch die neuesten Erkenntnisse aus dem suchtpräventiven Lernbereich vermittelt und durch neueste konzeptionelle Ansätze zu diesem Themenkomplex ergänzt.

Zeitlicher Umfang zwischen 2 - 5 Ust. / Tages - und Mehrtagesseminarform möglich nach Absprache

 

 

Modul 5: Rechtsfragen und Einstieg in das Thema Sucht und Drogen
Klasse 7 - 2.Hj.

Obwohl sich die Polizei im Bereich der Suchtprävention nicht als vorrangiger Träger versteht, kann sie durchaus einen Beitrag im Bereich der Primärprävention leisten. Das Erfahrungswissen aus dem täglichen Umgang mit Drogendelinquenz leistet hier einen
wichtigen Erfahrungshintergrund, wobei sich aus der Bindung der Polizei an das Legalitätsprinzip (Strafverfolgungszwang) Probleme im Unterrichtsgeschehen mit den SchülerInnen ergeben könnten (Informationen über den Konsum - auch gelegentlich - von SchülerInnen, etc.) Dabei versucht die Polizei einerseits das Vertrauen von Schülerinnen innerhalb ihrer Präventionsmaßnahmen zu gewinnen, ist aber andererseits vom Gesetz her verpflichtet, die Strafverfolgung aufzunehmen, wenn sie vom Verdacht einer Strafe Kenntnis erhält, da im Einzelfall ein Mitarbeiter der Polizei im Gegensatz zu einem Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle oder dem Suchtberatungslehrer kein (zwar eingeschränktes) Zeugnisverweigerungsrecht besitzt.
Eine Realisierung suchtpräventiver Ansätze der Polizei ist nur innerhalb eines langfristigen Prozesses möglich, in dem sich die Zielgruppe (SchülerInnen) immer wieder neu mit dieser Thematik auseinandersetzen sollen.
Im Rahmen ihrer Planung bietet das Kommissariat Vorbeugung für SchülerInnen der Jahrgangsstufen 7 eine ca. zweistündige Unterrichtseinheit umfassende Klassenveranstaltung an.
Diese Klassenveranstaltung wird durch die entsprechenden Klassenlehrer vorbereitet und begleitet. Im Vorbereitungsprozess erarbeitet sich diese Klasse dann einen speziellen Fragenkatalog zum Thema, wobei die SchülerInnen spezifische Antworten ihrer Fragen von der Polizei erwarten.

Im Unterricht werden erfahrungsgemäß folgende Themen behandelt:

  • Klärung des Sucht- und Drogenbegriffes
  • Betäubungsmittelrecht
  • Fahrerlaubnisrecht (Mofas, Mopeds, Motorroller und Motorräder, Autos, etc.)
  • Protektive Faktoren, die helfen können, k e i n e Drogen zu nehmen
  • Gefährdungspotentiale

Die Umsetzung eines spezifischen Lehrplanes orientiert sich aber immer stets an den Besonderheiten, die es an der einzelnen Schule zu berücksichtigen gilt (Erwartungen der Lehrkräfte, bestehende Problemlagen an der Schule, Schülerzahlen, verschiedene Herkunftsnationalitäten, etc.)

 

 

Modul 6: Alltagsdrogen, Beispiel –Alkohol - Klasse 8 - 1.Hj.

In enger Zusammenarbeit und Kooperation zwischen dem Jugendamt , der Anonymen Drogenberatung Iserlohn und den verschiedenen Selbsthilfegruppen gehen ehemalige Alkoholabhängige im Rahmen von Projektunterricht in die Schulen. Dort sprechen sie gemeinsam mit den SchülerInnen in der 8. Jahrgangsstufe über ihre eigenen Lebenserfahrungen als Alkoholabhängige. Bei diesen Gesprächen sind auch das Jugendamt und die Drobs Iserlohn mit eingebunden.
In den verschiedenen Repräsentativerhebungen zur Drogenaffinität von Jugendlichen (12 - 25 Jährigen) und jungen Erwachsenen gaben 92% der Mitglieder dieser Altersgruppe an, schon einmal Alkohol probiert oder mehr oder weniger häufig davon getrunken zu haben. Ca. ein Drittel nimmt regelmäßig Alkohol zu sich, das heißt mindestens einmal pro Woche, elf Prozent trinken mehrmals in der Woche Alkohol.

Innerhalb des Einsatzes von ehemals alkoholabhängigen Usern im Schulunterricht steht bei der Wissens- und Erfahrungsvermittlung eine realistische Darstellung der eigenen Alkoholkarriere im Vordergrund. In den Gesprächen mit den SchülerInnen wird einleitend über die Entstehung und Entwicklung von Suchtkarrieren und den verschiedenen Wegen in die Abhängigkeit berichtet. Auf eine abschreckende Wirkung bei der Schilderung von spezifischen Lebensläufen wird verzichtet, da statt dessen die Auswirkungen der Suchtkarriere auf familiäre Strukturen, Co-Abhängigkeiten, Beziehungsproblemen, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz etc. thematisiert werden.

Ort, Zeit und Umfang solcher Projekttage werden zwischen der einzelnen Schule sowie dem Jugendamt , der Drobs Iserlohn und den einzelnen Selbsthilfegruppen individuell abgesprochen, geplant und auch durchgeführt.

 

 

Modul 7: Illegale Drogen und Substanzen - Klasse 9 - 2.Hj.

Ausgehend von den Erfahrungen im sog. „Alltagsdrogenbereich"(Alkohol), geht es im Schwerpunkt „ Illegale Drogen und Substanzen“ um eine Schulungseinheit, die sich speziell im Projektunterricht der Schule an Jugendliche ab der 9. Jahrgangsstufe wendet. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Zahl der Klienten/Klientinnen in ambulanten Suchtberatungsstellen, die wegen Cannabiskonsum betreut werden, gestiegen ist, wird nicht nur der reinen „Stoffkunde" an Schulen wieder vermehrte Bedeutung beigemessen. Ohne die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen psychosozialen Lebenszusammenhängen , denen sich heute Jugendliche gegenübersehen, ist ein kritischer Umgang mit dieser Stoffgruppe nicht möglich. Der „typische" Klient mit einer cannabisbezogenen Hauptdiagnose ist relativ jung und das erste Mal in Behandlung. Er lebt in vergleichsweise stabilen Lebensverhältnissen und befindet sich noch in einer verlängerten Ausbildungsphase, die ihm auch ggfs. einen „geschützten" Raum gewährt (Sucht und Drogenbericht der Bundesdrogenbeauftragten 2000). Aber nicht nur Cannabiskonsum ist heute bei Jugendlichen „in". Insbesondere die immer stärker um sich greifende Tendenz, gleichzeitig verschiedene illegale Substanzen wie XTS, LSD, Amphetamine und andere synthetische Drogen zu konsumieren, macht das Risiko einer frühzeitigen Suchtmittelabhängigkeit eher größer. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass eine frühzeitige illegale Stoffabhängigkeit oftmals mit noch nicht ausgereiften und vollzogenen beruflichen- sowie Lebenskompetenzentwürfen korrespondiert.

In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, der Therapeutischen Wohngemeinschaft SIRIUS e.V. in Altena, sowie der Drogenberatungsstelle Iserlohn werden Ex-User auch hier in Absprache mit entsprechenden Schulen im Projektunterricht eingesetzt. Die zeitliche Struktur der Unterrichtseinheiten wird dann in Absprache mit der Schule zwischen den beteiligten Institutionen festgelegt.

Inhaltlich geht es in diesem Projektunterricht um die Auseinandersetzung mit den Drogen- ¬und Suchtkarrieren der Ex-User, die als Ausgangspunkt für die beteiligten Schülerlnnen dazu beitragen sollen, die eigene Lebensgeschichte kritisch zu reflektieren. Ziel ist es, den Blick dabei nicht nur auf eigene erlebte und gefühlte Defizite zu richten, sondern Krisenzeiten und Problembewältigungen als Herausforderungen für sich selbst und das Leben zu sehen. Dabei geht es vor allem auch um die Entwicklung von konstruktiven Handlungsoptionen als Alternativen zum möglichen Drogengebrauch.

 

 

Modul 8: Erlebnisorientierte Projekte und Aktionen - Klasse 10 - 1.Hj.

Das Jugendamt, die Drobs Iserlohn und das Kommissariat Vorbeugung bieten als Ergänzung zu den beschriebenen Modulen zeitversetzt auch verschiedenste Maßnahmen aus dem Bereich der Erlebnispädagogik an. Dies können im Einzelfall z.B. Abenteuerführungen in Höhlen, Aktionen in Kletterzentren, Nightbasketball und Streetbasketballturniere, Kanutouren etc. sein.
Diese Aktionen können eine sinnvolle Ergänzung zu den einzelnen suchtpräventiven Modulen bedeuten, wenn es darum geht, das Selbstvertrauen von SchülerInnen praktisch zu stärken, einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Grenzen zu fördern und die Genuss- und Erlebnisfähigkeit zu schulen, ohne dabei den Konsum legaler oder illegaler Suchtstoffe zu fördern.

Mit diesen Aktionen sollen mögliche Alternativen im Freizeitbereich aufgezeigt und das soziale Miteinander gestärkt werden. Die Aktionen finden in der Nähe statt, so dass Jugendliche auch in der Lage sind, diese Aktionen selbstständig weiter zu nutzen.